Im Rahmen des Kindertages 2026 feierten Kinder mit Ihren Eltern einen besonderen Gottesdienst unter der Leitung von Priester Tilo Poltz, Gemeindevorsteher der Gemeinde Rostock. Im Mittelpunkt stand das Bibelwort aus 1. Samuel 16,7:
„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an."
Mit diesem Wort führte der Gottesdienst die Teilnehmer zu einer zentralen Botschaft des christlichen Glaubens: Gott beurteilt Menschen nicht nach ihrem Aussehen, ihrer Herkunft oder ihren Fähigkeiten, sondern nach ihrem Herzen.
Kinder gestalten die Geschichte von David
Ein besonderer Höhepunkt war das von den Kindern vorbereitete Anspiel zur Berufung Davids zum König Israels. Mit großer Begeisterung und viel Engagement brachten sie die alttestamentliche Geschichte lebendig auf die Bühne.
Die Zuschauer erlebten, wie Gott den Propheten Samuel nach Bethlehem sandte, um einen neuen König zu salben. Als Samuel die stattlichen und kräftigen Söhne Isais sah, glaubte er zunächst, den zukünftigen König bereits erkannt zu haben. Doch Gott korrigierte seine Sichtweise und machte deutlich, dass seine Maßstäbe andere sind als die der Menschen.
Erst als der jüngste Sohn David von den Feldern geholt wurde, offenbarte Gott seine Wahl. Der unscheinbare Hirtenjunge wurde von Samuel gesalbt und erhielt den Segen Gottes.
Das Anspiel verdeutlichte eindrucksvoll, dass Gottes Entscheidungen nicht von äußerer Erscheinung abhängig sind. Gerade derjenige, dem Menschen vielleicht wenig zutrauen würden, wurde von Gott für eine große Aufgabe ausgewählt.
Was sehen wir eigentlich?
In seiner Predigt griff Priester Poltz diesen Gedanken auf und bezog ihn unmittelbar auf die Lebenswelt der Kinder.
Anhand verschiedener Bilder zeigte er, wie schnell Menschen dazu neigen, andere nach dem ersten Eindruck zu beurteilen. Ein Bild zeigte einen Mann im Anzug mit einem Game Boy in der Hand. Gemeinsam mit den Kindern wurde beschrieben, was äußerlich zu erkennen war. Doch als die Frage gestellt wurde, ob der Mann glücklich oder traurig sei, wurde deutlich: Das können wir nicht wissen.
Ein Kind brachte den entscheidenden Gedanken auf den Punkt: Ein Mensch könne lächeln und dennoch innerlich traurig sein.
Daran anknüpfend erklärte Priester Poltz, dass Menschen lediglich die äußere Erscheinung wahrnehmen können, Gott hingegen das Herz kennt. Er allein weiß, was Menschen bewegt, welche Sorgen sie tragen und welche Gedanken sie beschäftigen.
Ein weiteres Bild eines Baumes führte diesen Gedanken fort. Die Kinder erkannten Stamm, Äste und Blätter. Doch die entscheidenden Wurzeln blieben verborgen. So sei es auch bei Menschen: Vieles, was einen Menschen ausmacht, sei für andere nicht sichtbar.
Wenn Menschen ausgegrenzt werden
Besonders eindrucksvoll wurde der Gottesdienst, als die Kinder über ihre Erfahrungen aus Schule und Alltag berichteten.
Gemeinsam wurde darüber gesprochen, dass es immer wieder Kinder gibt, die anders erscheinen als andere. Manche kommen aus einem anderen Land, manche haben eine andere Hautfarbe, andere verhalten sich ungewöhnlich oder finden schwer Anschluss.
Die Kinder berichteten offen von Mitschülern, die ausgegrenzt, verspottet oder nicht zum Spielen eingeladen werden. Dabei wurde deutlich, dass hinter solchen Erfahrungen oft Traurigkeit und Einsamkeit stehen.
Priester Poltz lenkte den Blick auf die Frage, wie Jesus solchen Menschen begegnen würde. Schnell wurde deutlich: Jesus würde niemanden ausschließen. Er würde auf die Menschen zugehen, sie annehmen und ihnen Liebe schenken.
Mut zur Nächstenliebe
Gemeinsam wurden Möglichkeiten gesammelt, wie Kinder selbst helfen können.
Die Antworten waren ebenso einfach wie tiefgründig: miteinander spielen, freundlich sein, zuhören, trösten oder einfach fragen, wie es dem anderen geht.
Priester Poltz ermutigte die Kinder, gerade gegenüber ausgegrenzten Menschen mutig zu sein. Christen seien dazu aufgerufen, nicht wegzuschauen, sondern auf andere zuzugehen und Gemeinschaft zu ermöglichen.
Dabei verwies er auf die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium: Was einem der Geringsten getan wird, wird letztlich Jesus selbst getan.
Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst: Wer den Nächsten annimmt, handelt im Sinne Christi.
Gedankenreise in den Alltag
Einen besonders nachdenklichen Moment bildete eine geführte Gedankenreise.
Die Kinder wurden eingeladen, ihre Augen zu schließen und gedanklich ihren Alltag zu betrachten. Sie sollten an Menschen denken, mit denen es Schwierigkeiten gibt, an Mitschüler, die oft allein sind, oder an Personen, die ausgegrenzt werden.
Dabei wurde die Frage gestellt, wie jeder Einzelne diesen Menschen etwas Gutes tun könnte. Mit viel Einfühlungsvermögen ermutigte er die Kinder, Mut zu entwickeln und in der kommenden Woche bewusst auf solche Menschen zuzugehen.
So wurde die Botschaft des Gottesdienstes ganz praktisch und alltagsnah.
Vergebung und Neubeginn
Vor der Feier des Heiligen Abendmahls erinnerte Priester Poltz daran, dass niemand alles richtig macht. Jeder Mensch erlebt Situationen, in denen er Fehler macht oder hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückbleibt.
Gott sehe auch diese Dinge. Gleichzeitig sei er voller Liebe und Barmherzigkeit. Wer seine Fehler erkenne und bereue, dürfe Vergebung und einen neuen Anfang erfahren.
Ein von den Kindern gestaltetes Kunstwerk veranschaulichte diesen Gedanken auf besondere Weise. In einem großen Herz aus vielen bunten Handabdrücken befand sich das Kreuz Jesu Christi.
Dieses Bild verband Liebe, Gemeinschaft und Vergebung miteinander. Es machte sichtbar, dass Jesus Christus durch sein Opfer den Weg zu Gott geöffnet hat und Hoffnung für alle Menschen schenkt.
Gemeinschaft mit Christus
Im Mittelpunkt des weiteren Gottesdienstverlaufs stand die Feier des Heiligen Abendmahls.
Dabei wurde noch einmal deutlich, dass Gottes Liebe jedem Menschen gilt – unabhängig von Herkunft, Aussehen oder persönlichen Fähigkeiten. In der Gemeinschaft mit Christus dürfen Menschen Kraft empfangen, um Liebe, Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit im Alltag zu leben.
Dank an viele Helfer
Zum Abschluss dankte Priester Poltz allen, die zum Gelingen des Kindertages beigetragen hatten. Besonders hob er die intensive Vorbereitung durch zahlreiche Helferinnen und Helfer hervor, die über viele Wochen hinweg geplant, organisiert und begleitet hatten.
Der Dank galt insbesondere auch denjenigen, die das Anspiel vorbereitet, die Kinder betreut und die vielfältigen Programmpunkte ermöglicht hatten.
Botschaft bleibt im Herzen
Der Gottesdienst endete mit dem Segen Gottes und einer Botschaft, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit auf den Heimweg nehmen konnten:
Gott sieht tiefer als Menschen. Er schaut nicht zuerst auf das, was äußerlich sichtbar ist, sondern auf das Herz.
Damit verband sich zugleich ein Auftrag an alle Teilnehmer: genauer hinzusehen, Menschen nicht vorschnell zu beurteilen und denen mit Liebe zu begegnen, die oft übersehen oder ausgegrenzt werden.
So wurde der Kindertag 2026 in Born-Ibenhorst zu einem eindrucksvollen Plädoyer für Mitmenschlichkeit, Mut und christliche Nächstenliebe.
Neuapostolische Kirche